Montag bis Freitag 8.00 bis 20.00 Uhr

Sprechstunde unter dem freien Himmel Nepals

Drei Zahnärzte aus dem Kreis Unna haben extreme Strapazen auf sich genommen, um dort zu helfen, wo „Gesundheitssystem“ ein völlig unbekannter Begriff ist.
Dr. Achim Sieper, Dr. Sabrina Lange und Dr. Friederike Knolle, Ärzte in einer Kamener Gemeinschaftspraxis, sind gerade von einem zweiwöchigen Aufenthalt in Nepal zurückgekehrt. In dem Himalaya-Land, das als eines der ärmsten der Welt gilt, versorgten sie rund 400 Menschen, die sonst keinen Zugang zu Ärzten haben. Mit dabei war auch Dr. Florian Frese aus Berlin.
Die Landbevölkerung in Nepal kämpft mit zahlreichen Problemen, unter anderem der Topographie ihrer Heimat. Zwischen dem tiefsten Punkt Nepals und dem höchsten liegt ein Höhenunterschied von fast 8.000 Metern. „Wer eine Strecke von 50 Kilometer Luftlinie bewältigen muss, ist mitunter zehn Stunden unterwegs,“ erläutert Dr. Achim Sieper. Der Weg in die größeren Städte, wo Ärzte arbeiten, ist damit für viele unmöglich. Abgesehen davon, dass niemand eine ärztliche Behandlung zahlen könnte.
Sieper und seine Kollegen legten kilometerlange Fußmärsche zurück und fuhren auf LKW-Ladeflächen, um ihre Patienten zu erreichen. Vor Ort packten sie eine mobile Zahnarztpraxis aus dem Koffer und eröffneten ihre „Sprechstunde“ unter freiem Himmel
Dass Patienten zu ihnen kamen, wurde erst durch das Engagement des Lion Club möglich. Die Organisation sorgte dafür, dass die Menschen per Radio über das Eintreffen der Ärzte aus dem Westen informiert wurden.
Wie schlecht es den Nepalesen geht, fiel den Fachleuten sofort auf. „Fortgeschrittene Parodontitis haben wir schon bei 16-Jährigen gesehen“, sagt Sieper. Ein klares Zeichen von Unterernährung.
Neben der Erkenntnis, wie gut das deutsche Gesundheitssystem ist, nahmen Sieper und Kollegen viele wertvolle Erinnerungen mit nach Hause. „Die Menschen dort sind bettelarm, aber glücklich und stolz. Und sie haben alles mit uns geteilt.“
Die Motivation der deutschen Ärzte, die unter Anderem Ihre Flugreisen selbst bezahlten: Sie wollen etwas zurückgeben. Sieper: „In Deutschland können die Menschen so eine gute Ausbildung bekommen.“ Nepalesen könnten noch nicht einmal genug Getreide anbauen, um sich selbst zu ernähren.
Sieper würde sich freuen, wenn noch mehr Ärzte seinem Beispiel folgten: „Wenn jeder deutsche Arzt zwei Wochen im Jahr Entwicklungsdienst leisten würde, wäre die Welt schon ein ganzes Stück besser.“

Dr. med. dent. Achim Sieper bei einem Charity Event in Unna in Nepal.